Der Multiple-Sklerose-Podcast

Humor

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Der Karikaturist Phil Hubbe hatte seinen ersten Schub 1985. Er berücksichtigt die Multiple Sklerose in seinem Leben, doch vom Zeichnen hat er sich durch die Diagnose nicht abbringen lassen. – Ganz im Gegenteil: Seit 1992 arbeitet er als freiberuflicher Karikaturist u.a. für Tageszeitungen, Zeitschriften und Anthologien. Und seit 2000 bezieht er auch seine Krankheit in seine Cartoons mit ein.

Etwas zum Lachen finden Sie auf seiner Website. Etwas zum Hören bekommen Sie in dieser Episode.


Und hier können Sie die Geschichte lesen:

Die Diagnose meiner Krankheit hab ich seit 1988, obwohl ich den ersten Schub eigentlich schon 1985 hatte. Ich hatte ’ne Sehnerventzündung gehabt, während meiner Armeezeit. Es wurde dann damals alles untersucht, was es sein könnte. Es ging alles dann auch wieder weg. Dann hieß es letztendlich es sei ein entzündeter Zahn. Dann waren drei Jahre mehr oder weniger Ruhe. Aber 1988 hatte ich dann wirklich einen richtigen, starken Schub, dass ich dann gar nichts mehr machen konnte und da bekam ich dann auch die Diagnose meiner Krankheit.

Also, den Verlauf … ich habe einen schubförmigen Verlauf, und ich hatte wirklich nach ’88 dann mehr oder weniger alle halbe Jahre ’nen Schub. Ich hatte dann noch zweimal ’ne Sehnerventzündung gehabt und dazu kamen noch andere Einschränkungen wieder. Was aber alles größtenteils mit Cortisonbehandlungen dann wieder zurückging, obwohl so Kleinigkeiten dann mehr oder weniger übrigblieben oder hängenblieben. Das Leben muss man schon darauf einstellen, weil man ja Einschränkungen hat, weiß nicht, kräftemäßig, Müdigkeit und dergleichen. Und dann hab ich damals natürlich an Medikamenten mehrere Sachen – haben Ärzte nicht unbedingt nicht unbedingt ausprobiert – aber weil es damals noch kein richtiges Medikament dagegen gab …

’95 kam damals das Betaferon raus. Als erstes Medikament, das für MS hier zugelassen war. Ich nahm damals auch an der Studie teil und hab mich dann auch 15 Jahre lang mit Betaferon gespritzt. Also so gesehen habe ich immer medikamentöse Begleitung gehabt. Ich hab auch Immunglobuline mal bekommen, zu Anfang und so Sachen. Und ist mir eigentlich relativ gut bekommen, alles. Von der Warte her, ja. Das ist das was ich von rein ärztlicher Sache dagegen tue und ansonsten auch selber, dass ich mein Leben darauf, ja, einrichten muss, weil ich’s ja auch selber merke: was ich machen kann und was ich nicht machen kann.

Ich habe früher sehr viel Sport getrieben, was ich jetzt natürlich nicht mehr machen kann. Ich hab damals, nach der Diagnose, noch ein Jahr lang Fußball gespielt, obwohl ich im rechten Bein immer weg knickte, weil es für mich immer so ’ne wichtige Sache war. Es war auch damals die erste Frage, die ich dem Arzt stellte: „Wann kann ich wieder Fußball spielen?“, bevor ich die Diagnose hatte. Ich wusste noch gar nicht, was ich damals hatte. Da guckte der Arzt schon ein bisschen komisch, wo ich das sagte, mit dem Fußball, aber das … Sport fiel weg, in der Hinsicht. Und dann war auch damals die Frage mit meiner Zeichnerei .Als der Arzt mir die Diagnose sagte, war eins der ersten was er gleich sagte, ich solle meine Zeichnerei sein lassen, weil ich ja damit rechnen müsse, eine Behinderung zu bekommen und das kleinste Zittern würde ja ausreichen. Das würde jetzt kein Arzt mehr sagen. Also, die Ärzte nachher haben mir auch gesagt: „Machen Sie solange es geht weiter.“ Aber das war damals so ein Hammer, weil ich kurz vorher mein Studium – mein Mathematikstudium – abgebrochen hatte, um richtig mit der Zeichnerei anzufangen. Und dann kriegt man eben diesen Schlag ins Gesicht: „Hören Sie lieber auf damit, Sie müssen damit rechnen, Sie können nicht mehr zeichnen.“ Das war dann so ein … wo ich eine Weile gebraucht habe, um das zu verdauen, aber wo ich mir gesagt hab: „Nein, jetzt erst recht.“

Ich arbeite eigentlich seit ’92 freiberuflich als Karikaturist, Cartoonist und habe als erstes eigentlich immer Pressezeichnungen, was ich jetzt ja auch noch mache, für Tageszeitungen gemacht und Cartoons und auch Illustrationen für Werbeagenturen. Und dieses Thema meiner Krankheit kam in den Zeichnungen eigentlich erst so ’99/2000 rein. Es war die Sache, es gibt einen Amerikaner, John Callahan, der Behinderten-Cartoons für den „New Yorker“ gezeichnet hat und damals kam seine Biographie raus und sein Werk wurde auch in Deutschland verlegt, seine Zeichnungen. Und ich fand das gut, dass er die Behinderten-Thematik reinbrachte, fand‘ ich Klasse. Das haben mir dann auch Freunde und Kollegen gesagt: „Warum machst du denn das nicht auch? Du hast das Thema auch, Behinderung. Und wenn einer dir was will, kannst du immer sagen, du bist selber betroffen.“ Und das war dann der Punkt, der Auslöser, das anzufangen. Also 2000, wo ich sagen kann, da hab ich angefangen dieses Thema, die Krankheit, mit einzubeziehen und damit auch Cartoons zu zeichnen.

Wenn man einfach auch mit offenen Augen durchs Leben geht und man sieht ja mit anderen Augen, wenn man mit Betroffenen zu tun hat und selber auch Betroffener ist, sieht man mit ganz anderen Augen. Also Kleinigkeiten, wo ein Rollstuhlfahrer nicht reinkann, wenn da ’ne Stufe ist und solche Sachen. Das ist ja eine gewisse Diskriminierung auch, das ist eine Ausgrenzung, dass die Leute dann nicht daran teilhaben können. So Kleinigkeiten, so ganz einfache Geschichten, wo dann vielleicht auch der sogenannte „Normalbürger“ das mitbekommt: „Ach, stimmt ja, ist ja so.“ Ein Rollstuhlfahrer wird geschoben, auf der Straße. Und dann kommt einer drauf zu und wer wird angesprochen? Angesprochen wird der, der den Rollstuhl schiebt und gefragt: „Wie geht’s ihm?“ Aber es wird selten der gefragt, der im Rollstuhl sitzt. Was soll das? Wir gucken alle noch erstaunt, wenn einer mit einer Beinprothese rumgeht, ’ne Sache was aber für den selber was ganz normales ist und warum soll er die verstecken? Ich mein, was ist daran unästhetisch? Wenn man andere sieht, im Sommer meinetwegen, ja, mit unrasierten Beinen oder was weiß ich, oder mit weißen Söckchen in Sandaletten und sowas … ja, und das hatte ich da ein bisschen verarbeitet.

Also, wenn man als Betroffener Witze über die Sache macht ist es immer schon besser. Weil man macht ja Witze über das worüber man Bescheid weiß. Und da ist das dann schon von Vorteil, auf jeden Fall. Und ja, das nütze ich auch für meine Arbeit mit. Ist ja im gewissen Sinne vielleicht auch ein bisschen Therapie für mich, dass ich diese Krankheit so verarbeiten kann, dass ich das in mein Zeichnen mit reinbringen kann. Ich hab aus meinem Hobby einen Beruf gemacht und kann in diesen Beruf sogar jetzt meine Krankheit noch mit einbeziehen. Also, das ist eine Verbindung, optimal. Besser geht’s gar nicht.

Zu Anfang war ich eigentlich so, dass ich nicht allen von meiner Krankheit erzählt habe, man sah es mir ja auch nicht an und dann sagte ich mir: „Brauchens nicht zu wissen.“ Aber dann waren so Situationen wieder. Zum Beispiel, wenn ich irgendwo mit Freunden weggegangen bin und die sind ein bisschen schneller gegangen und ich sagte: „Ich bin ein bisschen langsamer.“ Weil mir das ’n Tempo zu schnell war. Ich hab mir gesagt: „Okay, was soll das? Ich sag‘ denen, was ich habe. Wenn sie es kapieren, ist in Ordnung. Ansonsten ist mir das egal, es geht erstmal darum, dass ich damit klarkomme.“ Und dann habe ich das dann Freunden und allen anderen – nee, Freunden hatte ich es schon vorhin gesagt. Aber meinetwegen auch so Nachbarn und dergleichen, dass dann mehr oder weniger auch im Nachhinein beigebracht habe. Aber, es hat ’ne Weile gedauert. Also, zum Beispiel auch, dass ich in ’ne Selbsthilfegruppe gegangen bin, dass hat ein paar Jahre gedauert. Weil ich auch die Angst davor hatte, man sitzt dann Leute, die im Rollstuhl sitzen, gleich gegenüber. Was auch in heutigen Zeiten noch bei vielen Leuten so eine Abschreckung ist, dann in solche Gruppen reinzugehen. Oder ich habe aber dann auch gesagt, wenn ich mit jemanden reden will, über meine Krankheit, kann man das am Besten bloß mit Betroffenen. Ich kann zwar mit meiner Frau und Freunden darüber erzählen, aber die wissen eben nicht genau, wenn ich über ein Kribbeln im Bein erzähle, was das für ein Gefühl ist. Das kann bloß ein Betroffener einschätzen. Und daher war es dann doch der Weg dahin zu gehen und mit den Leuten zu sprechen. Aber es hat eben doch eine Weile gedauert. Und auch allen zu sagen was ich habe, weil immer diese langen Erklärungen wieder, was es halt ist und dann immer die meisten: „Oh, ist ja ganz schlimm. Rollstuhl.“ MS ist bei vielen immer die Verbindung „Rollstuhl“. In dem Sinn dacht‘ ich mir: „Das muss ich mir nicht antun, den Leuten immer alles zu erklären.“ Andererseits ist es doch besser, damit offensiv umzugehen, als sich zu verstecken und dann irgendwas vorzuschieben, wenn man mal kräftemäßig nicht so gut drauf ist. So war das dann mehr oder weniger dann doch, dass ich jetzt damit offensiv umgehe.

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